Schreibbüro zum blauen Federkiel

Am Wochenende auf der Buchmesse in Frankfurt entdeckt:


Die Arbeit von Autoren erledigt sich nicht allein durch das Tippen von Buchstaben. Es braucht viel mehr, um Romane, Fachartikel, Blogbeiträge und ähnliches zu verfassen. Zeitintensive Recherchen und Korrekturen,  Charakterdesign, ja, manchmal sogar die Ausarbeitung einer ganzen Fantasiewelt mit epischen Chroniken. Und dann ist da noch die Sache mit der Veröffentlichung. Normseiten, Cover, Les-bar-keits-in-dex. 

Ein Allround-Programm für all diese Aufgaben gibt es nicht. Oder doch?





Papyrus Autor - ein Schreibprogramm fasziniert Messe-Besucher


Ich halte gemeinhin nicht sehr viel von Werbevorträgen für brandneue Messeprodukte. Doch Ulli Ramps, der Erfinder von Papyrus Autor, hat mich am Wochenende erfrischend überrascht. In der Self-Publishing Area der Buchmesse Frankfurt stellte er am Samstag seine Software vor, die weitaus mehr als ein gewöhnliches Schreibprogramm à la Word oder Open Office ist. Nein, Papyrus denkt in Sachen Tools endlich auch mal an die spezielleren Bedürfnisse von Autoren.


Drag and Drop Pinnwand

Notizzettel und Bildablage in einem. Im Seitenbereich der Programmoberfläche haben Ulli Ramps und sein Entwicklerteam eine Pinnwand eingerichtet, auf der sich sämtliche Rechercheinhalte per Drag and Drop anheften lassen. Umständliches Hin- und Herklicken zwischen Browsernotizen und Schreibprogramm ist somit überflüssig. Entspanntes Arbeiten ist damit auch bei größerem Rechercheaufwand garantiert.


Flesch-Reading-Index

Für die Verfasser von professionellem Webcontent ist Rudolf Flesch keine Unbekannte. Der österreicher Rechtswissenschaftler war der Erfinder des sogenannten Lesbarkeitsindex, der anhand von Fremdwortanteilen, Satz- und Wortlängen die Lesbarkeit eines Textes ermittelt. Auf einer Skala von 0 bis 100 lässt sich so die Verständlichkeit von Online-Inhalten sehr zuverlässig einordnen. 

Allerdings taugten zur Feststellung der Textlesbarkeit bislang nur rar gesäte Spezialprogramme, die mit der Flesch-Formel arbeiten. Zudem werden entsprechende Tools häufig sehr ungenau, sobald die Texte etwas länger sind oder fiktive Charakter- und Ortsnamen enthalten. 

Bei Papyrus Autor ist der Index-Schlüssel zur Auswertung nun endlich auf die Eigenheiten schriftstellerischer Großwerke ausgelegt. Absatz für Absatz durchforstet das Flesch-Tool jede Buchseite einzeln, damit die Lesbarkeit so genau wie möglich beurteilt werden kann. Dargestellt sind die jeweiligen Schwierigkeitsstufen zur Textverständlichkeit in leicht verständlichen Farbcodes.


individuelle Stilanalyse

Für den schriftstellerischen Erfolg ist neben der richtigen Werbung vor allem ein prägnanter Schreibstil entscheidend. Die Macher von Papyrus Autor wissen das und stellen dem Schreiber deshalb ein Tool zur Stilanalyse zur Verfüngung. Dieses macht unter Berücksichtigung des individuellen Schreibstils Vorschläge zur verbesserten Formulierung und deckt überflüssige Füllwörter auf. Des Weiteren bekommt der Verfasser bei Wortfindungsproblemen nützliche Anreize aus dem Papyrus Wörterbuch vorgeschlagen, das neben dem klassischen Thesaurus auch eine Synonymdatenbank enthält.


Timeline und Figurendatenbank

Romanwelten benötigen erfahrungsgemäß eine umfangreiche Vorarbeit, die oftmals Jahre dauert. Seien es nun Charakterbiografien, Vorgeschichten oder die Romanhandlungen selbst, die zu einer logischen Chronik verknüpft werden müssen - bevor ein Roman überhaupt entstehen kann, gilt es zunächst, die Zeitlinien des Handlungsumfelds in Einklang zu bringen. 

Den so entstehenden Dschungel an Aufzeichnungen zu sortieren, ist eine Sache für sich. Doch auch hier bietet Papyrus Autor wertvolle Hilfestellung. Dank der programmeigenen Timeline, lassen sich Ereignisse in Romankapiteln chronologisch ordnen, wobei der Zeitstrahl auch konfliktträchtige Handlungsüberschneidungen sichtbar macht. Obendrein gibt es eine beeindruckende Datenbank für Charbiographien, mit der man sogar Charakterpseudonyme und häufig gebrauchte Umschreibungen des Charakters im Text nachverfolgen kann.


enhanched Publishing

Immer mehr Autoren entscheiden sich bei der Veröffentlichung ihrer Werke inzwischen für Self-Publishing. Allerdings bringt die Eigenverantwortung auch neue Aufgaben mit sich. Von Normseiten für den Druck über Formatvorgaben für eBook Reader bis hin zu Coverdesigns müssen Self-Publisher einiges in Eigenregie koordinieren. Nach erfolgreicher Texterstellung können Autoren bei Papyrus darum gleich noch ihr Textlayout nach aktuellen Veröffentlichungsmaßstäben gestalten.


Fazit

Mit einem Preis von 179 Euro ist Papyrus Autor nicht gerade billig. Dafür bietet die Software aber deutlich professionellere Hilfe für Autoren als herkömmliche Schreibprogramme. Das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint also gerechtfertigt, wobei ich Interessenten dennoch den Test der Demoversion empfehlen möchte, bevor sie sich für die Vollversion entscheiden.