Gedichtanalyse - An den Mond (Gleim)

by John Doyle

 An den Mond


Dein stilles Silberlicht
Erquickt mir mein Gesicht.
O Mond, Gedanken-Freund, ich sehe dich von weiten
Und winke dich zu mir,
Und bin nicht weit von dir,
Und denk' an schön're Zeiten!

Wer einst, du lieber Mond,
In diesem Hüttchen wohnt,
Und sieht dein Silberlicht, dem magst du keine Falten
Auf seiner Stirne sehn,
Magst still vorüber gehn
Und ihn für glücklich halten!

Daß ich's nicht bin, sag' ich
Nur dir, und tröste mich, –
O Mond, Gedanken-Freund, – daß stille Nächte kommen!
Dir nur vertrau' ich's, dir.
Schon manche Nacht hat mir
Des Tages Gram genommen!


Johann Wilhelm Ludwig Gleim





Gedichtanalyse


Im Gedicht "An den Mond", welches im Jahr 1794 von Johann Wilhelm Ludwig Gleim verfasst wurde, werden sowohl die romantischen und glücklichen, als auch die wehmütigen und tristen Gedanken geschildert, die ein Mensch empfinden kann, wenn er den Mond betrachtet. Schon seit der Antike verbindet man mit dem Himmelskörper immer wieder bestimmte Gefühle, und auch in der Epoche der Romantik war der Mond ein beliebter Gegenstand zeitgenössischer Gedichte. Im Folgenden werden Inhalt und Aufbau, sowie die inhaltliche Entwicklung und Struktur von Gleims Gedicht erschlossen, und formelle bzw. sprachliche Auffälligkeiten analysiert.




I. Inhalt und Aufbau des Gedichts


In der ersten Strophe des Gedichts spricht der Autor den Mond direkt an. Er bezeichnet ihn als seinen Freund und erzählt, dass er an schöne Dinge denken muss, wenn der Mondschein in sein Gesicht fällt. (Vers 1 bis 6)

Im weiteren Verlauf spricht der Erzähler davon, dass die Existenz des Mondes unendlich ist und dieser jede Nacht aufs Neue an des Dichters Hüttchen vorbei ziehen wird. Die Menschen, die dort später einmal wohnen werden, wird der Himmelskörper für glücklich halten, wenn er durch die Fenster scheint. (Vers 7 bis12)

Anschließend wird die Wertschätzung des Mondes geschildert. Er ist der Einzige, der dem Autor Trost spenden kann, wenn dieser aufgrund negativer Gedanken, welche sich tagsüber angestaut haben, nicht einschlafen kann. Dem Mond kann er sich in solchen Momenten immer wieder anvertrauen kann. (Vers 13 bis 18)

Das Gedicht "An den Mond" besteht aus drei Strophen zu jeweils sechs Versen. In jedem dieser Verse steht zunächst ein Paarreim, an den ein umarmender Reim anschließt. Zudem ist das ganze Gedicht in einem 3-hebigen Jambus aufgebaut.

Die erste Strophe von Gleims Werk spiegelt die positiven Gedanken und Eindrücke wieder, die der Erzähler bekommt, wenn er den Mond betrachtet. Selbst wenn er ihn nur von Weitem sieht, muss er bei dessen Anblick an "schöne Zeiten" denken. (vgl. V. 3 - 6)

Im Verlauf der zweiten Strophe werden die Gedankengänge schließlich etwas wehmütiger. Es wird gesagt, dass der Mond die Menschen, die im Hüttchen wohnen, zwar "für glücklich halten" (V. 12) wird. Jedoch ist nicht gesagt, dass diese auch wirklich glücklich sind. Es kann durchaus sein, dass dies nur auf den erhabenen Himmelskörper so wirkt.

In der letzten Strophe sind die Eindrücke deutlich negativer als zuvor. Es werden schlaflose Nächte erwähnt und obwohl sich der Erzähler nach wie vor durch den Anblick des Mondes trösten kann, ist der Eindruck lange nicht so fröhlich wie zu Beginn des Gedichtes.


II. Form und Sprache des Werkes


Gleims Gedicht "An den Mond" ist in Gemeinsprache verfasst. Außerdem werden viele emotionale Ausdrücke wiedergegeben, was durch Wärter wie "erquicket" (V. 2), "winke" (V. 4) und "tröste" (V. 14) deutlich. Außerdem ist das Gedicht überwiegend hypotaktisch aufgebaut.

In Vers 15 wird durch die Parenthese " - O Mond, Gedankenfreund - " nochmals das Vertrauen gegenüber dem Mond bekräftigt. Um die Euphorie zu verdeutlichen, die der Erzähler empfindet, wenn der den Himmelkörper betrachtet, wird die Anapher "und [...] und [...] und [...]" (V. 4 - 6) gebraucht. Die Wiederholung "O Mond, Gedankenfreund" (V. 3 / V. 15) zeigt erneut auf, wie nahe das Lyrische Ich dem Mond steht. durch die Personifikation des Mondes (V. 1 ff) wird ebenfalls dargestellt, dass der Mond im Falle des Autors nicht nur für einen Himmelskörper steht, sondern vielmehr für eine Person mit Emotionen und Gedanken. Zudem wird am Anfang des Werkes eher das Licht in den Vordergrund gestellt "Dein stilles Silberlicht erquicket mir mein Gesicht" (V. 1 - 2), wohingegen das Bild am Ende des Gedichts immer dunkler und negativer wirkt "schon manch Nacht hat mir des Tages Gram genommen" (V. 17 - 18). Die Alliteration "stilles Silberlicht" (V. 1) bezieh sich noch einmal auf die Personifikation des Mondes. Sie verdeutlicht die fast schon heilige Anrufung und Anbetung des Erdtrabanten.


III. Thematische Aspekte unter Einbeziehung der Epoche


Gleims Gedicht spiegelt einige typische Motive der Epoche der Romantik wieder. Unter anderem werden die Gefühle und Emotionen sehr oft in den Vordergrund gestellt und betont. Auch die Mondnacht, welche in diesem Werk Ort der Handlung ist, wurde zur damaligen Zeit als ein romantischer Aspekt der Natur angesehen. Außerdem sind die Menschen damals häufig in eine Art "Scheinwelt" verfallen, um dem grauen Stadtalltag zu entfliehen. Im Gedicht sind Sehnsucht und Träumereien dieser Art sehr offensichtlich und wahrscheinlich die Ursache dafür, dass der Autor den Mond romantisch in seinem Gedicht personifiziert. Darüber hinaus werden die Schattenseiten der Psyche aufgegriffen, wie es ebenfalls für romantische Literatur charakteristisch ist.


IV. Fazit


Abschließend kann gesagt werden, dass die Gedichtbotschaft Gleims leicht verständlich ist. Es wird deutlich, dass der Autor eine tiefe Bindung zum Mond verspürt und die typischen Epochenmerkmale sind gut zu erkennen. Insgesamt ist das Gedicht "An den Mond" ein klassisches, melancholisches, lyrisches Werk der Romantik, das sowohl Licht- als auch Schattenseiten der menschlichen Psyche genauer beleuchtet und diese Analyse in eine naturnahe und verträumte Umgebung bettet.


Tina F.

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