Literatur in Tateinheit mit Kunst: Impressionismus


Impressionismus (1890 - 1910)


Wasserlilien (Claude Monet)


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Begriffserklärung: Der Impressionismus leitet sich vom lateinischen Wort impressio für 'Eindruck' ab. Er bezeichnet eine epochenspezifische Stilrichtung in Kunst, Musik und Literatur, die sich mit dem Festhalten persönlicher, subjetiver Umwelteindrücke beschäftigt und somit das wiedergibt, was Schriftsteller, Musiker, Maler, und auch Fotografen beim Durchleben flüchtiger Augenblicke empfanden. Dabei spielte die Darstellung des Lichtes zur besseren Übermittlung von Stimmungsmomenten immer wieder eine maßgebliche Rolle.

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Positivismus und Symbolismus als historischer Hintergrund: Bereits zu Beginn der Vorepochen des Impressionismus (Naturalismus und Realismus) zeichnete sich eine Stilrichtung ab, die sich mit dem Darstellen von Sinneseindrücken befasste. Realitätsgetreue Wiedergaben der Umwelt standen seit etwa 1860 deutlich im Vordergrund, was schließlich zu einem Fokus auf Momentaufnahmen führte. Es wurden also nicht länger nur Szenerien abgebildet, sondern dabei gezielt versucht, den Augenblick festzuhalten.

Entscheidend geprägt wurde diese Entwicklung durch die im 19. Jahrhundert entdeckte Fototechnik. Sie erlaubte es, eine neue Art von Kunst zu etablieren, die Momentaufnahmen authentisch und wirklichkeitsgetreu einfing. Die neuen Möglichkeiten, mit Lichteffekten zu spielen, wirkten wie eine neue Quelle der Inspiration auf die etablierten Kunstformen, sodass sich alsbald auch Komponisten, Maler und Literaten mit der neuerlichen Darstellung des Lichts beschäftigten. 

Selbstbildnis (Gertrude Käsebier)

Ein besonders bekanntes, musikalisches Werk dürfte hier der dritte Satz der 'Suite bergamasque' von Claude Debussy sein.  Er trägt den Namen 'Claire de Lune' (Mondschein) und ist bis heute eine der berühmtesten melodischen Kompositionen aus der Feder Debussys. Inspiriert wurde de Musiker hierbei von Paul Verlaines gleichnamigem Gedicht.


Clair de Lune (von Paul Verlaine)

Wie eine seltne Gegend ist dein Herz,
Wo Masken, die mit Bergamasken schreiten,
Zum Tanze spielen voll geheimem Schmerz
Im Truggewand, mit dem sie bunt sich kleiden.

Obgleich in weichem Ton sie singen, wie
Der Liebe Sieg dem Lebensglück sich eine,
So glauben doch nicht an die Freude sie,
Und ihr Gesang fliesst hin im Mondenscheine.

Im kalten Mondenschein, des trübe Pracht
Die Vögel träumen lässt auf ihren Zweigen,
Und der die Wasserstrahlen weinen macht,
Die schlank aus weissen Marmorschalen steigen.




Paul Verlaine war ein Lyriker des sogenannten Symbolismus. Die Stilrichtung beschäftigte sich mit der positiven Darstellung realer Gegebenheiten, wobei der Einfluss des Lichtes immer wieder als beliebtes Stilmittel diente. Hier finden sich klare Gegensätze zu naturalistischen und spätrealistischen Motiven, denn insbesondere Gegen Ende des Realismus wichen lichterne bzw. positive Ausdrucksweisen einer pessimistischen Grundstimmung.


Seinearm bei Giverny (Claude Monet)

Als Vater des malerischen Impressionismus gilt der französische Künstler Claude Monet. Mit Ölgemälden wie 'Seinearm bei Giverny', 'Trauerweide' und 'Impression, Sonnenaufgang', einer morgendlichen Momentaufnahme des Hafens Le Havre, setzte der Maler neue Maßstäbe, was den bildhaften Einsatz von Licht und Lichtreflexionen anging. Zudem trug Monet zur Entstehung der Moderne bei, einem Überbegriff für jene Epochen, die seit 1890 mit Aufkommen des Naturalismus entstanden und neben ihm den Impressionismus, Expressionismus, Symbolismus, Surrealismus, sowie die kunstgeschichtliche Epoche des Jugendstils umfassen.





Bedeutung des Impressionismus für die Literatur


Als klare Abgrenzung zur naturalistischen wie realistischen Literatur ist beim literarischen Impressionismus die vordergründige Schilderung subjektiver Wahrnehmung zu nennen. Sie wurde über die objektive Wirklichkeit gestellt und beinhaltete sowohl persönliche Eindrücke und Stimmungen, als auch symbolischen Charakter, was zu einer individuellen Darstellung der Realität führte. Impressionistische Literatur knüpft also an die Empfindungslyrik der Romantik an, von welchen sich Naturalismus und Realismus weitestgehend distanzierten. Beliebte Stilmittel zur Formulierung wahrnehmungsbasierter Subjektivität waren vor allem lyrische und prosaische Kurzformen wie


  • Eintakter
  • Novellen
  • lyrische Momentaufnahmen
  • Sekundenstil und Skizzen.


Hier zeichnen sich auch die Gemeinsamkeiten zum realistisch orientierten Naturalismus ab, die trotz Unterschiede in den jeweiligen Motiven durchaus vorhanden sind. Immerhin bedurften sowohl subjektive als auch objektive Wahrnehmungsdarstellung einer Verwendung von Stilmitteln, die flüchtige Momente schriftlich Ausdehnen konnten. Gerade der Zeitlupeneffekt somit für beide Stilrichtungen der Literatur unerlässlich. Besonders anschaulich gab den literarischen Inpressionismus dabei Rainer Maria Rilke wieder. Seine Gedichte 'Der Panther' und 'Das Einhorn' gehören zum größten Schatz des deutschen Lyrikgutes und werden in Schulen (bisweilen sehr zum Verdruss diverser Schüler) immer wieder als beispielhaftes Übungsmaterial zur Interpretation impressionistischer Literatur verwendet.


Das Einhorn (von Rainer Maria Rilke)

Der Heilige hob das Haupt, und das Gebet
fiel wie ein Helm zurück von seinem Haupte:
denn lautlos nahte sich das nie geglaubte,
das weiße Tier, das wie eine geraubte
‚hülflose Hindin‘ mit den Augen fleht.

Der Beine elfenbeinernes Gestell
bewegte sich in leichten Gleichgewichten,
ein weißer Glanz glitt selig durch das Fell,
und auf der Tierstirn, auf der stillen, lichten,
stand wie ein Turm im Mond, das Horn so hell,
und jeder Schritt geschah, es aufzurichten.

Das Maul mit seinem rosagrauen Flaum
war leicht gerafft, so dass ein wenig Weiß
(weißer als alles) von den Zähnen glänzte;
die Nüstern nahmen auf und lechzten leis.
Doch seine Blicke, die kein Ding begrenzte,
warfen sich Bilder in den Raum
und schlossen einen blauen Sagenkreis.




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Eine Auswahl bedeutender Werke & Vertreter des Impressionismus:



Silberne Saiten. Gedichte (1901)
Stefan Zweig

Die Liebe der Erika Ewald (1904)
Stefan Zweig

Lingam (1909)
Max Dauthendey

Die geflügelte Erde (1910)
Max Dauthendey

Die griechische Tänzerin (1902)
Arthur Schnitzler

Der Weg ins Freie (1908)
Arthur Schnitzler

Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt (1896)
Rainer Maria Rilke

Traumgekrönt. Neue Gedichte (1896)
Rainer Maria Rilke

Das Stundenbuch (1905)
Rainer Maria Rilke 






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