Literatur in Tateinheit mit Kunst: Aufklärung



Epoche der Aufklärung (1720 bis 1800)


Des Philosophen Lektion am Sonnensystemmodell (Joseph Wright)

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Begriffserklärung: Der Epochenname 'Aufklärung' ist tatsächlich wörtlich zu verstehen, denn die Künstler und Literaten jenes Zeitalters versuchten gezielt, die Gesellschaft zum eigenständigen Denken zu erziehen. Dies geschah zum einen durch die Vermittlung von bis dato der Obrigkeit vorenthaltenem Wissen an das Volk in Schrift und Bild. Zum anderen wurde die religiöse Bevormundung in der Aufklärung nachhaltig bekämpft und stattdessen eine Trennung von Staat und Kirche gefordert.

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Absolutismus und bürgerliche Emanzipation als historischer Hintergrund: Bereits um 1700 mehrte sich die bürgerliche Kritik am ungezügelten, verschwenderischen Lebensstil des Adels. Da das Deutsche Reich nach dem dreißigjährigen Krieg in mehr als 300 kleinere Fürstentümer zerfallen war, nahm die Willkür der adeligen Staatenregierungen zu Zeiten des Barock immer groteskere Züge an. Jedes Fürstentum traf unabhängige Entscheidungen zur Gesetzgebung, sowie zur politischen und wirtschaftlichen Ausrichtung der Einzelstaaten. Dabei fielen die Dekrete meist zu Gunsten der Wohlhabenden aus. Während das gemeine Volk also die wirtschaftlichen Konsequenzen des Krieges zu tragen hatte, versuchte die aristokratische Obrigkeit, ihren Wohlstand zu erhalten und am Prinzip des Feudalismus festzuhalten - ein Konzept, welches das Volk zu einem Sozialgefüge aus Lehensherren und Knechten machte.

Unterstützt wurde dieses Gesellschaftsmodell in hohem Maße von kirchlichen Institutionen. Jene waren die tragenden Säulen der absoluten Monarchie und verliehen den Adeligen im 18. Jahrhundert ihren unanfechtbaren Herrscherstatus. Darüber hinaus nährten die Geistlichen durch ihre strengen Diktate und Vorgaben in Sachen Staats- und Regierungsgeschäfte die Unmündigkeit des Bürgertums, was den Drang des Volkes nach Selbstbestimmung weiter anfachte.


Bedeutung der Aufklärung für die Literatur

Kennzeichnend für die literarische Entwicklung der Aufklärung ist eine Hinwendung von Dichtern und Philosophen zum Bürgertum. Zuvor maßgeblich für ihre fürstlichen Gönner tätig, löste sich nun auch die Literatur allmählich von ihren 'Lehensherren' und stellte sich stattdessen in die Dienste des Volkes. Jenes intellektuell zu erziehen und von geistlicher wie adeliger Bevormundung zu emanzipieren, stand fortan im Vordergrund aufklärerischer Schriften. Die höfische Dichtung wich somit einer volksnahen Literatur, die geprägt war von den Idealen der Vernunft, Humanität und Nützlichkeit. Der freie Schriftsteller ward geboren und sein Wegbereiter hieß Immanuel Kant.



"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen"

(Immanuel Kant)


Da die potentielle Leserschaft der Aufklärung meist keinerlei Grundkenntnisse ins Sachen Lesen und Schreiben besaß, erlangten neben bildhafter Aufklärung vor allem frei vortragbare Literaturformen wie Drama, Prosa und Lyrik besondere Bedeutung. Einen ersten Vorschub hatte hier William Shakespeare geleistet, welcher das anspruchsvolle Theater zu Zeiten des Barock dem Bürgertum erstmals näher brachte. Aufklärerische Poeten wie Voltaire und Jean-Jaques Rousseau entwickelten diesen Ansatz weiter und verfassten bürgernahe Werke mit belehrendem Charakter oder veranschaulichendem Inhalt zur Lebensrealität des einfachen Volkes.  Als traditionelle, volksnahe Formen der Aufklärungsliteratur gelten:

  • Briefroman
  • Familienroman
  • Autobiographien
  • bürgerliches Trauerspiel / bürgerliches Drama
  • Fabel
  • Gedankenlyrik
  • Lehrgedichte
  • Oden und Hymnen

Sonderform 'okkulte Literatur': Die Anfänge der Aufklärung fallen - für manche nicht zufällig - mit dem Ende der Hexenverfolgung zusammen. So war es ab Beginn des 18. Jahrhunderts endlich möglich, geheimes Wissen zu veröffentlichen, das sich objektiver mit übernatürlichen Phänomenen und esoterischen Praktiken beschäftigte, als es die kirchliche Bevormundung bislang erlaubt hatte. Auch Alchemie und Mystik erhielten seinerzeit zunehmend literarischen Wert. Damit einher ging eine neue Offenheit gegenüber fremden Glaubensgrundsätzen und Weltanschauungen.


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Eine Auswahl bedeutender Werke & Vertreter der Aufklärung:


Nathan der Weise (1779)
Gotthold Ephraim Lessing

Der Tod Adams, ein Trauerspiel (1757)
Friedrich Gottlieb Klopstock

Kritik der reinen Vernunft (1781)
Immanuel Kant

Träume eines Geistsehers (1766)
Immanuel Kant

Die Geschichte des Agathon (1766)
Christoph Martin Wieland

Die Betschwester, ein Lustspiel (1745)
Christian Fürchtegott Gellert

Philosophische Briefe (1733)
Voltaire

Candide: oder der Optimismus (1759)
Voltaire

Die Bekenntnisse, eine Autobiographie (1782)
Jean-Jaques Rousseau



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